15. Türchen

Die Weihnachtsmaus
James Krüss

Die Weihnachtsmaus ist sonderbar
sogar für die Gelehrten,
denn einmal nur im ganzen Jahr
entdeckt man ihre Fährten.

Mit Fallen oder Rattengift
kann man die Maus nicht fangen,
sie ist, was diesen Punkt betrifft,
noch nie ins Garn gegangen.

Das ganze Jahr macht diese Maus
den Menschen keine Plage,
doch plötzlich aus dem Loch heraus
kriecht sie am Weihnachtstage.

Zum Beispiel war vom Festgebäck,
 das Mutter gut verborgen,
mit einem Mal das Beste weg
am ersten Weihnachtsmorgen.

Da sagte jeder rundheraus:
„Ich hab‘ es nicht genommen,
es war bestimmt die Weihnachtsmaus,
die über Nacht gekommen.“

Ein anderes Mal verschwand sogar
der Marzipan von Peter,
was selten und erstaunlich war, 
denn niemand fand ihn später.

Doch Christian rief rundheraus:
„Ich hab ihn nicht genommen,
es war bestimmt die Weihnachtsmaus,
die über Nacht gekommen.“

Ein drittes Mal verschwand vom Baum,
an dem die Kugeln hingen,
ein Weihnachtsmann aus Eierschaum
nebst andern leckren Dingen.

Doch Nelly sagte rundheraus:
„Ich habe nichts genommen,
es war bestimmt die Weihnachtsmaus,
die über Nacht gekommen.“

Und Ernst und Hans und der Papa,
die riefen:“ Welche Plage,
die böse Maus war wieder da,
und just am Feiertage!“

Nur Mutter sprach kein Klagewort,
sie sagte unumwunden:
„Sind erst die Süßigkeiten fort,
ist auch die Maus verschwunden:“

Und wirklich wahr: Die Maus blieb weg,
sobald der Baum geleert war,
sobald das letzte Festgebäck
gegessen und verzehrt war.

Sagt jemand nun, bei ihm zu Haus -
bei Fränzchen oder Lieschen -
da gäb’ es keine Weihnachtsmaus,
dann zweifle ich ein bisschen.

Doch sag ich nichts, was jemand kränkt!
Das könnte euch so passen!
Was man von Weihnachtsmäusen denkt,
bleibt jedem überlassen.

Ich glaub meine Weihnachtsmäuse knabbern auch schon - hoffentlich lassen sie noch ein bisschen was übrig.
Liebe Grüße
maripic

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